Neue Ziele für den Winter 2015/2016 und eine Bilanz zum zweiten Geburtstag

Hier ein Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand des Kassel Airport und seine Perspektiven.

CALDEN, 02.04.2015

„Kassel Airport ist noch lange nicht am Ziel“, sagt Ralf Schustereder, Geschäftsführer der Flughafen GmbH Kassel, zwei Jahre nach der Eröffnung des ausgebauten Flughafens im April 2013 in Calden. „Neue Flughäfen benötigten vier bis fünf Jahre für eine Etablierung im Markt“, verweist Schustereder auf die Analyse der Entwicklung anderer Regionalflughäfen. „Aber in einer für die Luftfahrtbranche schwierigen Phase hat sich der Flugbetrieb am Kassel Airport in der kommerziellen Luftfahrt stabilisiert. Die damit verbundenen Passagierzahlen in Kassel steigen stetig, während die Zahl der Flüge im Geschäftsreiseverkehr am Kassel Airport sogar um 40 Prozent zugenommen hat“, sagt Schustereder. Die Unternehmen am Flughafen investieren und stellen Personal ein. „Vor allem aber richtet sich der Flughafen mit einer Analyse der Lage und mit der Anpassung der Ziele an die Wirklichkeit strategisch neu aus. Wir gehen aktiv gemeinsam mit unseren Partnern in die Vermarktung“, sagt Schustereder.
„Die Kommerzielle Luftfahrt am Kassel Airport steckt in der Startphase. Es sind noch zu wenige An‐ und Abflüge. Da haben die Kritiker des Airports Recht. Das müssen und wollen wir ändern“, sagt Schustereder. Unser Ziel ist die sukzessive Ertragssteigerung in den kommenden Jahren und ein gleichzeitiger, verantwortungsbewusster Umgang mit den öffentlichen Mitteln.
Hier nun ein Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand des Kassel Airport und seine Perspektiven

 

1) Kassel Airport: Wo wir stehen.

Zahl der Flugbewegungen stieg um 15,4 Prozent
Die Zahl der Flugbewegungen stieg 2014 gegenüber 2013 um etwa 15,4 Prozent von 22.891 auf 26.419. Das entspricht ‐ rein rechnerisch ‐ durchschnittlich etwa 72 Starts und Landungen an jedem Tag des Jahres 2014. Darunter waren Test‐ und Werkstattflüge der Luftfahrtindustrie am Standort, Freizeitflüge, Privatflüge, Geschäfts‐ und Ferienflüge mit Flugzeugen der unterschiedlichen Größenklassen. 

Zahl der Passagiere nahm um 1,1 Prozent zu
Die Zahl der Passagiere stieg von 46.557 im Jahr 2013 um etwa 1,1 Prozent auf 47.088 im Jahr 2014. Die Prognose geht für das laufende Jahr von einer Passagierzahl von 67.830 aus, davon etwa 53.550 Passagiere im Bereich der Kommerziellen Luftfahrt und 14.280 Passagiere in der Allgemeinen Luftfahrt. 2014 waren es 32.326 Passagiere der Kommerziellen Luftfahrt und 14.762 Passagiere der Allgemeinen Luftfahrt, zu denen auch die Business Aviation zählt. 

Flugbetrieb lief 2014 zuverlässig
Der Flugbetrieb am Kassel Airport lief 2014 äußerst zuverlässig. Nachdem der Flughafen im Jahr seiner Eröffnung 2013 auch wegen ausgefallener Ferien‐Flüge die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, betrug die sogenannte „Durchführungsquote“ in der kommerziellen Luftfahrt 92,2 Prozent (zum Vergleich: 2013 waren es lediglich 60‐70 %)

Mehr Ferienziele und Ferienflüge
Kassel Airport hat die Zahl der Ferienziele ausgebaut. Nachdem im Jahr 2013 und 2014 die Reiseveranstalter drei regelmäßige Ziele mit Mallorca, Antalya (Türkei) und im Oktober als Herbstferienziel Heraklion (Kreta) (ohne die Ziele der Sonderreisen) im Programm hatten, sind es in diesem Jahr bereits sechs Saisonziele: Heraklion (Kreta), Mallorca, Antalya (Türkei), Hurghada (Ägypten), Fuerteventura und als diesjähriges Herbstferienziel Enfidha (Tunesien). Ein zuverlässiger Partner ist die Fluggesellschaft Germania. Die Flüge der Germania im Zeitraum Mai bis Dezember 2014 waren zu 71,5 Prozent ausgelastet. Auch die Auslastungen in diesem Jahr sind hoffnungsvoll: die ersten Flüge nach Hurghada waren nahezu ausgebucht, beim Erstflug am 26.03.2015 musste die Fluggesellschaft ein größeres Flugzeug (einen Airbus A321) einsetzen, um allen Buchungsanfragen gerecht zu werden und startetet erstmals in die ägyptische Sonne. Bis Ende April haben schon jetzt mehr als 600 Urlauber die Folgeflüge gebucht. Auch Antalya und Mallorca laufen gut. Besonders erfreulich sind derzeit auch die Entwicklungen für den Winterflugplan 2015/2016: Germania wird ab Oktober 2015 drei Ziele im Winter anfliegen: Hurghada in Ägypten, sowie Las Palmas auf Gran Canaria und Teneriffa. Schustereder dazu: „Wir freuen uns sehr, dass die renommierte Berliner Fluggesellschaft weiter als starker und zuverlässiger Partner an unserer Seite steht.“ 

Business Aviation wächst um fast 40 Prozent
In der Business Aviation ging es 2014 steil bergauf. Die Zahl der Flugbewegungen im Geschäftsreiseverkehr (Executive‐Verkehr) allein mit größeren Maschinen mit einem Gewicht von über 4 Tonnen stieg gegenüber 2013 von 1.146 um 39,8 Prozent auf 1.602. Daneben sind etwa 100 Privatflugzeuge am Kassel Airport stationiert, die sowohl im Freizeit‐, als auch im Geschäftsreiseverkehr genutzt werden können.

Unternehmen im Aviation Industry Park expandieren
Im „Aviation Industry Park“ am Kassel Airport gibt es etwa 20 Unternehmen. Insgesamt gibt es am Kassel Airport rund 850 Arbeitsplätze in Branchen mit vielfach überdurchschnittlicher Wertschöpfung und Bezahlung.
Am Kassel Airport stehen etwa 70 Hektar Gewerbefläche zur Verfügung. Die verfügbaren Gebäude sind bereits fast komplett vermietet oder verpachtet. Erste Neu‐Ansiedlungen gab es bereits, weitere sind in Planung. 
Die Firma Helitec, ein Wartungsunternehmen für Helikopter, baut neue Hallen und Bürogebäude bis zum Herbst und hat die Option für weitere Investitionen am Standort. Die Piper AG erweitert ihre Europazentrale am Kassel Airport auf einem schon vorhandenen Grundstück. Auf 1000 Quadratmeter schafft sie mehr Erweiterungsmöglichkeiten sowie mehr Lagerfläche für Flugzeuge und Ersatzteile, denn Piper will mehr Funktionen aus dem Ausland nach Kassel verlagern und die Zahl der Mitarbeiter aufstocken. 

2) Kassel Airport: Wohin wir wollen.
„Eine seriöse Ausrichtung auf die stets ungewisse Zukunft erfordert eine realistische Analyse der Ausgangslage“, sagt Schustereder. Die Planungen für den Ausbau von Kassel Airport stammten aus einer Zeit, in der sich die Luftfahrtbranche international noch in einer anderen Lage befand. Heute herrschten in der Branche Kostendruck durch sinkende Margen in der Airline‐Industrie, durch über Jahre steigende Treibstoffkosten und sinkende Ticketpreise, durch starken Wettbewerb unter Airlines und Flughäfen, durch das Wachstum des Low‐Cost‐Sektors und nicht zuletzt durch den kritischen Blick auf staatliche Beihilfen für Flughäfen und Fluggesellschaften.

Neubewertung der Passagierprognosen
Darum habe er, Schustereder, nach der Übernahme der Geschäftsführung im April 2014, in einem ersten Schritt die Passagierprognosen, die vor etwa zehn Jahren für den Flughafen erstellt worden waren, hinterfragt und die Autorin der Studie um eine Neubewertung gebeten. „Statt der einst prognostizierten 300.000 bis knapp 1 Million Passagiere, kamen nun zwei Szenarien mit 237.000 und 471.000 Passagieren binnen zehn Jahren heraus. Das zweite Ziel zu erreichen, ist zwar ehrgeizig, aber möglich. Doch es geht nicht über Nacht“, sagt Schustereder.

Kassel Airport setzt auf die Reisebüros
In der Kommerziellen Luftfahrt, also dem klassischen Ferienverkehr, setzt Kassel Airport bei den Flugzielen bereits auf 50 Prozent Wachstum im Sommerhalbjahr. Das Winterhalbjahr wird jetzt im Frühjahr geplant. Um ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen, geht die Flughafen GmbH Kassel in die Akquise. „Die Marktanalyse und die Marktbearbeitung sind allerdings Aufgaben, die wir nicht auf die leichte Schulter nehmen“, sagt Schustereder. Reisebüros seien ein wichtiger Vertriebskanal. Das Kassel Airport Team hat die 50 Top‐Reisebüropartner in der Region besucht und Marktanalysen durchgeführt. Zur Bewerbung des Sommer‐Flugplans 2015 sind gemeinsame Marketingaktivitäten mit den Reisebüros geplant.

Kassel Airport im Gespräch mit Fluggesellschaften
„Derzeit“, sagt Andreas Blass, Vertriebsleiter, „steht Kassel Airport mit etwa 15 Fluggesellschaften im unmittelbaren Kontakt. Unter anderem auch mit Turkish Airlines. „Für alle Gesprächspartner hat Kassel Airport unbestritten seine Stärken wie seine Lage in der Mitte Deutschlands. Die Region Kassel sei der zweitstärkste Wirtschafts‐ und Ballungsraum in Deutschlands wirtschaftsstärkstem Flächenland“ berichtet Blass.
„Ein weiterer Schritt, unseren Flughafen wirkungsvoll nach außen zu repräsentieren war zum Beispiel die Konzentration auf die international ohnehin schon gebräuchliche Bezeichnung Kassel Airport“, sagt Blass weiter. „Wenn wir künftig in den Vertrieb gehen, konzentrieren wir uns auf eine Marke, die international ihre Chance hat, wahrgenommen zu werden.“ Weitere Veränderungen, wie beispielsweise ein neuer Internetauftritt sind bereits in der Planung. 

Flexible Arbeit sichert Arbeitsplätze
„Zugleich passt der Flughafen seine Strukturen an die geänderten Rahmenbedingungen an“, verweist Schustereder auf eine ebenso unverzichtbare wie herausfordernde Aufgabe. An entscheidenden Stellen ist es schon 2014 gelungen, Ausgaben spürbar zu reduzieren. Die Flughafengesellschaft möchte diese Mittel nutzen, um eine dauerhafte Reduktion der Kosten zu erreichen und hat zusätzlich ein flexibleres Personalkonzept entwickelt. Dazu hat Kassel Airport unter anderem schon im vergangenen Jahr eine Zusammenarbeit mit dem Flughafen Paderborn‐Lippstadt mit dem Austausch von Personal für Sicherheitskontrollen begonnen. Für Schustereder „gibt es genügend Ansätze, solche Partnerschaften durch einen intelligenten Personaleinsatz weiter auszubauen, der allen Flughäfen hilft, die öffentlichen Mittel verantwortungsbewusst einzusetzen. Wir wollen die Ertragsaussichten bessern, und die Kosten senken“, sagt Schustereder.